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ZOE JENNY


INTERVIEW AM 10. April. 2002, CAFE TERRASSE, ZÜRICH
MIT JHM

Es braucht auch Stärke, verletzlich bleiben zu können.

 

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ZoeJenny

Wann hattest Du zum ersten Mal Liebesschmerzen, das Gefühl einsam zu sein?

Ich war drei Jahre alt, als meine Eltern sich scheiden ließen. Ich konnte es nicht verstehen, konnte die Situation nicht einordnen und dachte ich wäre schuld. Als Kind hält man viel aus, aber man nimmt auch viel auf sich. Ich fühlte mich verlassen und schuldig. Mein Vater, bei dem ich aufwuchs, war mein Mutterersatz, doch es bleibt ein Manko an Liebe und Zuwendung. Das war der existentiellste Schmerz bisher.

Wie bist Du damit umgegangen?

Als ich älter wurde, lernte ich zu reflektieren, an mir zu arbeiten. Ich erkannte, dass ich sonst Gefahr laufen würde, gewisse Erfahrungen zu wiederholen, auf andere zu proijezieren und alte Schmerzen in gegenwärtige Situationen hineinzutragen.

Hattest Du in Liebesbeziehungen zu Männern ähnlichen Kummer?

Ich war 17 als ich meinen ersten damaligen Freund verlassen habe, was ihn sehr verletzt hat. Es war dann erschreckend zu begreifen, das auch ich anderen tiefe Schmerzen zufügen kann.
Vor etwa zwei Jahren habe ich mich schrecklich verliebt und mich da sehr hineingesteigert. Das kann ich gut – mich euphorisch begeistern. Er lebte in New York, ich reiste viel und wir sahen uns nicht sehr oft. In der Zeit zwischen unseren Treffen ließ ich meiner Phantasie und Sehnsucht freien Lauf. Leider konnten wir die Beziehung in der Realität gar nicht leben. Das war mein letzter großer Liebeskummer.

Fühlst Du Dich auch jetzt noch schwach, wenn Du verliebt bist?

Natürlich wird man wenn man verliebt ist auch sehr verletzlich, schwach, doch vielleicht ist diese Schwäche gerade die Stärke. Ich bin eigentlich immer wieder dankbar wenn ein Mensch das Gefühl der Verliebtheit in mir auszulösen vermag. Ich empfinde das immer auch als ein Wunder und das schönste was einem passieren kann.
Aber es hat wohl auch mit Mut zu tun, sich immer wieder verlieben zu können. Gerade wenn auf Grund der Erfahrungen ein mögliches Ende bereits am Anfang in Sicht ist, und man weiß, wie weh es tut, ist es so wichtig offen zu bleiben und sich verschenken zu können. Enttäuschungen gehören dazu. Aber ich glaube nicht unbedingt an den Satz: "Was einen nicht umbringt, macht einen stärker."
Grundvoraussetzung für eine gute Liebesbeziehung, für einen geglückten Dialog, ein Lernen aneinander und zusammen groß werden, ist sicher ein Ganz-Sein in sich Selbst. Man muss aufpassen, dass man den anderen nicht braucht, um von sich selbst abzulenken, der eigenen Einsamkeit entkommen zu wollen. Wer nicht einsam sein kann, ist letztlich auch zur Gemeinsamkeit nicht fähig.

Hast Du Tipps bei Liebesqualen?

Nach gescheiterten Liebesbeziehungen und Liebesschmerzen schreibe ich meistens ein Buch – schreibe mich sozusagen wieder "hoch" aus meinem Tief. So entstand auch mein erster Roman "Das Blütenstaubzimmer", welcher über Liebesverlust, den ersten Schmerz im Leben eines Kindes handelt. Im September erscheint ein neuer: "Ein schnelles Leben".
Ansonsten empfinde ich es als tröstlich, zu reisen. Auch lesen und Musik hören hilft.

(Buchempfehlungen: Madame Bovary von Flaubert/ Musik: Moby Play)