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PEPE LIENHARD


INTERVIEW AM 7. Juni 2002, IN METTMENSTETTEN, BEI PEPE LIENHARD ZUHAUSE
MIT JHM

 

der Schmerz, den ich durch beruflichen Misserfolge kennengelernt habe ist nicht zu vergleichen mit dem Schmerz einer gescheiterten Liebe und Familie.

 

 

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Können Sie sich an den ersten seelischen Schmerz in Ihrem Leben erinnern?

Ja, ich kann mich sehr gut erinnern. Den ersten großen Verlustschmerz hatte ich als ich 4 Jahre alt war, als meine Schwester starb. Sie war ein Jahr jünger als ich und wir haben fast alles gemeinsam gemacht und waren sehr eng miteinander verbunden. Es war ein schauriger Verlust. Als sie aufgebahrt im Wohnzimmer lag und alle Nachbarn und Verwandten kamen – das habe ich noch gut in Erinnerung. Damals wurden die Toten ja nicht gleich weggebracht, sondern wurden zuhause im Wohnzimmer aufgebahrt. Es war schwer zu begreifen, dass sie da tot lag. Aber dadurch, dass alle traurig waren, wir gemeinsam geweint haben und wir die Trauer ausleben konnten, ging der schlimmste Schmerz auch wieder vorbei. Ich kann mich zwar genau daran erinnern, aber es tut nicht mehr weh.

War der Verlustschmerz durch den Tod von Menschen auch Ihr schlimmster Schmerz?

Nein, den Schmerz, Menschen durch Tod zu verlieren kenne ich gut. Wir waren eigentlich 5 Kinder – nun leben nur noch zwei. Auch meine Eltern sind bereits gestorben, doch diese schmerzlichen Erinnerungen sind weit weg. Der Abschied von geliebten Personen auf diese Art ist schon lange her.

Was war Ihr bisher größter Schmerz?

Das Scheitern meiner zehnjährigen Ehe hat mich am tiefsten getroffen. Ich war lange Junggeselle und konnte mir nicht vorstellen zu heiraten. Ich dachte mir auch, dass mein Leben als Musiker mit einem Familienleben nicht gut zu vereinbaren wäre. Erst durch meine spätere Frau änderten sich meine Wünsche. Mir war klar,"mit dieser Frau möchte ich Kinder bekommen, mit ihr möchte ich leben". Ich war bereits 42 Jahre alt, ich deshalb geheiratet habe. Als ich begreifen musste, dass die Ehe zerbricht, meine Familie nicht mehr weiter bestehen würde, war der Schmerz am größten. Wir waren immer eine "verschmuste" Familie, in der Nähe und Zärtlichkeit eine große Rolle gespielt haben. Nun musste ich realisieren, dass es keine Chance mehr gibt, dass es auch gar nicht um Schuldzuweisungen geht, sondern um die Tatsache, dass meine Frau, die Kinder und ich nicht mehr wie gewohnt zusammen leben können, wie ich es mir gewünscht hätte.
Das Ende der Ehe und des Zusammenlebens als Familie war weit schlimmer, als jeder Liebeskummer, den ich vorher gekannte habe, als Liebesbeziehungen zu Ende gingen, als ich Beziehungen beendet habe oder ich von Frauen verlassen wurde. Ich durchlebte auch alle Phasen – tiefste Traurigkeit, aber auch Wut und Enttäuschung.

Wie sind Sie mit der veränderten Lebenssituation umgegangen?

In der ersten Phase war ich einfach verzweifelt und traurig. Ich wollte auch mit kaum jemanden sprechen. Ich war zwar sehr froh, dass meine Freunde für mich da waren, dass ich wusste, "ich bin nicht allein", kann mit jemanden sprechen, wenn ich möchte, doch meistens wollte ich nur für mich sein. Ich zog mich sehr zurück, blieb gerne alleine in meinem Haus, bei den Hunden, Katzen und Vögeln und hörte am liebsten Musik. Die Musik hat mir sehr geholfen.

Was haben Sie damals gehört?

Shirley Horn "Here’s to Life". Immer wieder habe ich diese CD gehört und geweint. Es war eine wichtige Zeit für mich. Mir wurde klar, wie dankbar ich für die Familie bin, wie viel Glück ich im Leben habe – trotz aller privaten und beruflichen Auf und Abs. Allerdings ist der Schmerz, den ich durch beruflichen Misserfolge kennengelernt habe nicht zu vergleichen mit dem Schmerz einer gescheiterten Liebe und Familie – das ist eine andere Dimension. Doch wir haben zwei wunderbare Töchter und glücklicherweise ist die Situation nun sehr entspannt und freundschaftlich, so dass wir uns beide um die Mädchen kümmern können. Wir leben nicht weit voneinander entfernt und unsere Töchter verbringen manche Tage bei ihr und dann wieder bei mir. Es war uns das Wichtigste, dass die Kinder nicht Opfer unserer Entzweiung werden.

Sehnen Sie sich nach einer neuen Liebesbeziehung?

Ich bin nicht verzweifelt am Suchen. Ich lebe zwar alleine, doch meine Töchter sind oft bei mir. Ich kümmere mich auch recht gerne um meinen Haushalt – deshalb eine Beziehung einzugehen, um nicht alleine aufzuwachen oder nicht alles selbst machen zu müssen – da bleibe ich lieber Single und beschäftige mich mit meinem Hobby, den Pfauen, dem Papagei und den anderen Vögeln. Beruflich bin ich sehr viel auf Reisen und genieße auch meine Freiheit.

Haben Sie sich nach Ihrer Scheidung nicht mehr verliebt? Glauben Sie noch an die große Liebe?

Ich würde nicht sagen, mich nicht mehr binden zu wollen, doch ich warte darauf, mich wieder ganz und gar zu verlieben. Vor zwei Jahren hatte ich eine Beziehung und die Frau wollte sie gerne intensivieren, doch für mich hat es nicht 100%ig gepasst. Sie fragte mich, ob ich denn wirklich noch an die romantische Liebe glaube, wo man sich ganz und gar auf einander einlässt, weil man gar nicht anders kann. Sie bezeichnete es als Dusselei, doch ich glaube wirklich noch daran.