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PETROS GEROULANOS
lic.oec.HSG, MNLP,geboren in Zürich,
lebt heute in London.
leitet als professioneller Trainer Weiterbildungsseminare im Bereich
der Psychologie und der Finanzmärkte in Europa und Südostasien.
INTERVIEW AM 3. FEB. 2002, 10.30-12.30, CAFE STEIN, WIEN
MIT JHM
Konfliktmanagement
ist wahrscheinlich der Schlüssel zu einer langen
Beziehung
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Kannst Du Dich noch an Deinen
ersten Liebesschmerz erinnern? An die Zeit, als das Herz
zum ersten Mal schrecklich
weh getan hat?
Ja, mit 13 erlebte ich "PAIN" sehr
intensiv. Meine damalige Freundin hat mich verlassen, um mit
einem älteren Jungen zusammen zu sein.
Ich war "head over heels" Hals über Kopf in sie
verliebt. Es war ein intensiver, langer Schmerz eigentlich hat
er bis heute nicht aufgehört. Nein, stimmt nicht ganz, aber
wenn ich heute daran zurückdenke, kommt das Gefühl wieder.
Wir waren zwei, drei Monate zusammen. Sechs, sieben, acht Monate lebte
ich im totalen Schmerz.
Hattest Du zuvor schon einmal
einen ähnlichen Schmerz erlebt?
Nein, in der Weise nicht. Ich
kannte vorher dieses Gefühl von verletzt sein nicht. Meine
Welt ist damals zusammengebrochen.
Wie bist Du damit umgegangen?
Ich habe es mehr in mich hineingefressen.
Ich habe mit Freunden darüber gesprochen, die meinten, ich
soll es einfach vergessen. Das ging aber doch nicht. Es war ein
Treffer in mein Herz.
Meine Eltern sagten, "bis Du heiratest, wirst Du Dich nicht mehr
erinnern können". Vielleicht habe ich deswegen noch nicht geheiratet,
weil ich es nicht vergessen habe.
Gab es in Deiner Kindheit und
Jugend Gefühle, die auch Liebesschmerzen waren unabhängig
von einer Freundin?
Ja, das ausgeschlossen sein in
der Schule fühlte sich ähnlich an.
Meine Kindheit und Jugend war sehr schön. Ich verbrachte viel Zeit
mit meinen Großeltern in Griechenland, reiste oft, zuhause wurden
mehrere Sprachen gesprochen, Gaeste gingen ein und aus. Es war immer
was los - ich fühlte mich glücklich, doch auch anders nicht "gleich" mit
den anderen Kindern der Klasse.
Dann war da das schreckliche Schlüsselerlebnis, als meine Lehrerin
meinte, ich sei nicht "gymnasiumfähig". Meine Eltern,
die Verwandtschaft alle aus Akademikerfamilien waren schockiert.
Für mich war das Urteil der Lehrerin wie die Todesstrafe. Ich genügte
nicht.
Die Lehrerin meinte auch, man könne nichts daran ändern, ich
sei nun mal nicht gut genug. Diese Endgültigkeit machte mich
so hilflos und ich litt sehr an mir. Das dauerte fast bis zum Abschluss
meines Studiums, (bis ich Kurt Dopfer, einen Professor an der Universität
in St. Gallen traf). Zwei Schlüsselereignisse prägten diese
Zeit. Erstens, die Entdeckung von Lernterchniken durch Toni Buzan und
zweitens, die Kollegialität mit vereinzelten Professoren. Prof.
Kurt Dopfer war der erste, der mich als eigenständige Persönlichkeit
sah und mir vermittelte, dass das was ich bin, wer ich bin mit
allen Mankos das darin ein Wert liegt. Dadurch, dass er mich ja
auch "messen", mit Noten beurteilen musste, wog seine Meinung
für mich schwer. Durch ihn wurde ich wieder aufgebaut, kam meine
Selbstsicherheit wieder zurück.
Aus dem vermeintlichen Manko der Lernschwierigkeiten machte ich dann
meinen Beruf. Ich gelte nun weltweit als Spezialist für Lerntechniken
und arbeite mit Menschen, die die gleichen Probleme haben, wie ich sie
hatte.
Würdest Du Aischylos zustimmen: "Durch
leiden lernen"?
Aus den eigenen Leiden kann viel
Positives entstehen. Auch in meinem Seminar zum Thema "Falling
in Love" kommt das immer wieder zum Ausdruck. Man kann lernen,
wie man sich immer wieder in die selbe Person verliebt. Dort
zeige ich auf, wie schmerzliche Erlebnisse dazu führen können,
dass man seine Auswahlkriterien verfeinert. Dies
geschieht meist unbewusst und führt natürlich zu einer
Art Selbstschutz um einen solchen Schmerz nicht zu wiederholen.
Somit lernen wir durchaus durch leiden dazu. Wir können
aber genauso durch angenehme Erlebnisse dazu lernen!
Was war bisher Deine intensivste
Liebesqual?
Ich habe zwei Arten von Liebesqualen
erlebt. Die eine: die unerfüllte Liebe. Ich war verliebt,
aber es kam nicht zur Liebe, weil die "andere Seite" zu
früh abgeblockt hat. Vielleicht weil ich zu sehr verliebt
war.
Du meinst das Gefühl des Schmerzes, wenn
man nicht so lieben darf, wie man gerne möchte?
Ja, ich habe das immer wieder
erlebt. Es begleitete mich durch die gesamte Schul- und Studienzeit.
Jetzt nicht mehr?
Vielleicht bin ich vorsichtiger
geworden....nein, stimmt nicht. Aber ich habe eine Strategie
gefunden ich lasse mich nur noch auf Frauen ein, bei denen
ich weiß, dass sie mich wollen. Ich möchte nicht mehr
verworfen werden, mich ausgestoßen fühlen, Liebe nicht
leben dürfen...Ob das auf Dauer funktioniert, ist fraglich.
Ein guter Schutz allemal.
Und die zweite Art der Liebesqualen?
Das ist der Schmerz, wenn ich
selbst eine Liebesbeziehung beende, die Liebe "abschneide".
Vor nicht allzu langer Zeit war es so. Ich war verliebt und liebte
meine Partnerin und trotzdem habe ich mich kurz vor der Verlobung
entschieden die Beziehung zu beenden.
Warum? Weshalb?
Weil sich verlieben, verliebt
sein und eine Beziehung führen nicht das selbe ist. Verliebt
sein und Liebe sind wünschenswert, aber nicht ausreichend
für eine lebenslange Beziehung. Das haben auch die Forschungen
und das "Verlieben-Seminar" ergeben.
Kannst Du das ein wenig ausführen?
Ja, die Forschung über Verlieben
haben zum Verlieben Seminar geführt: Man kann
lernen, wie man sich immer wieder in die selbe Person verliebt.
Zuerst klingt das nicht natürlich. Eindeutig ist, dass wir
das Gefühl des Verliebens in uns drin erzeugen. Oft läuft
jedesmal dasselbe Muster ab. Sobald wir dieses entdecken, erkennen
die Seminarteilnehmer, dass es kein Wunder ist, wenn
dieses tolle Gefühl auch wieder verschwindet. Und dann ist
man traurig. Schade. Dabei ist es so einfach, dieses Gefühl
wieder zu erzeugen, auch mit derselben Person!
Warum streben wir lebenslange
Beziehungen an? Die Zweierbeziehung und Kleinfamilie als Solidargemeinschaft
ist nicht mehr notwendig. Entspricht eine lebenslange Beziehung
der Sehnsucht nach Sicherheit, Geborgenheit, Stabilität?
Was ist denn dazu notwendig?
Wie gesagt, verliebt sein und
Liebe reichen leider nicht ganz für eine glückliche
Beziehung man muss sich "verstehen". Kommunizieren
zu können ist Voraussetzung. Ebenso, sich ehrlich zu seinen
eigenen Gefühlen auszusprechen. Konfliktmanagement ist wahrscheinlich
der Schlüssel zu einer langen Beziehung nicht nur
in Liebesbeziehungen. Man sollte in der Lage sein, bei aufkommenden
Streitigkeiten, Konflikten, Meinungsverschiedenheiten etc., einen
Weg, eine Methode zu finden, diese zu lösen.
Diese Wege und Methoden können sich ganz natürlich und einfach
einstellen, doch meist helfen gegenseitig akzeptierte, abgesprochene "Codes",
Zeichen, Rituale.
Gestern zum Beispiel war ich zu einer Hochzeit eingeladen, bei der das
Paar eine "Ehekerze" erhielt. Wenn Streit ist und die/der eine
die Versöhnung sucht, Worte aber nicht gefunden werden oder nicht
passen, dann kann die Kerze angezündet werden als Symbol.
Wie ging es weiter mit Deiner
Beziehung, bzw. mit der Trennung kurz vor der Verlobung?
Diese Entscheidung vor etwa zweieinhalb
Jahren verursachte mir den schlimmsten Schmerz. Jetzt ist er
nicht mehr intensiv, ich habe mich von ihm verabschiedet.
Wie hast Du gelebt in den schmerzhaftesten Phasen?
Wie verhältst Du Dich bei Liebeskummer?
Ich ziehe mich eher zurück und werde sehr "chagrin" sehr
traurig, sehr liebeskrank, so, dass alles weh tut, das Herz zerbricht,
auch Selbstmordgedanken kommen, wie sie bei Goethes "Die Leiden
des jungen Werther" beschrieben sind.
Ich litt durch Liebesschmerzen schon an Depression, auch an Anorexie nahm
20, 25 kg ab. Damals wurde ich untersucht, doch medizinisch gesehen war
ich gesund......
Glaubst Du, dass alle Menschen Liebeskummer kennen?
Das beinhaltet die Frage, ob alle Menschen Gefühle
haben und alle Menschen haben Gefühle. Doch ob sie
diese Gefühle empfinden, ist wieder etwas anderes. Es hat
wohl mit Empfindlichkeit zu tun. Es gibt Menschen, die sind verhältnismässig
unempfindlich sie stecken Unbehagen, Schmerz weg. Und es
gibt Menschen, die sind sensibler.
Vielleicht kann man es in einer Analogie ausdrücken: alle Menschen
haben Mikrophone, doch die Mikrophone haben nicht alle die gleiche Qualität.
Manche wiederum haben bessere Verstärker oder Boxen. Sind die Mikrophone
nicht empfindlich, muss man mit dem Volumen hinaufgehen, sind die Boxen
zu empfindlich, sollte man eher runtertunen, damit sie nicht zerstört
werden.
Denkst Du, dass die Empfindlichkeit der Gefühle
vielleicht ein Luxus ist?
Ich habe auf meinen Forschungs- und Vortragsreisen
festgestellt, dass sich Menschen natürlich überall verlieben,
aber das z.B. in Asien die Leute den Eindruck machen, robuster,
unempfindlicher zu sein. Der Konkurrenzkampf ist viel größer
als in Europa auch der Konkurrenzkampf um gute Gene.
Wenn alle Robustheit den Bach runter ist und man
ein Häufchen Elend ist kannst Du etwas empfehlen?
Wenn ich sehr traurig bin, dann steigere ich die
Depression manchmal gerne noch mit gewisser Musik, z.B. mit Cecilia
Bartoli, "Arie Antique" oder mit Rod Steward, "Im
sailing".
Mir wurde auch der Rat gegeben, dass es gut sei, "chagrin" zu
sein, dass es gut sei, sich fallen zu lassen, den Schmerz voll auszukosten. So
lange, bis man merkt, dass er nur ein Beweis dafür ist, dass man
lebt.
Das ist ein einsamer Punkt. Ich würde empfehlen, sich die Zeit zu
geben, um zu diesem Tiefpunkt zu kommen und dass man vorher die Zeit
bestimmt, wie lange man sich so fühlen darf damit es nicht
endlos wird mit dem Leiden.
Die Zeitlinie ist frei wählbar ob ein paar Stunden, Tage,
Monate oder Jahre solange man den Endpunkt selbst bestimmt, quasi
einen Termin setzt, z.B. 29. Februar.
Wenn man da Pech hat, dauert es 4 Jahre....
...länger würde ich nicht empfehlen.
Tipps:
Dance Pop Oper Klassisch
PAIN Sasha & John Digweed: Northern Exposure Rod Stewart: I am sailing
ABC: The look of Love Cecilia Bartoli:
Arie Antiche: Se tu mami, DECCA 436267-2 Simphonie No4, R. Brahms,
Toscannini, RCA Victor 60260
RAGE Ibiza Anthems De Phazz: Death by Chocolate Suicido aus
La Giaconda Ponchielli mit Elena Souliotis, DECCA 440405-2 ,Dies
Irae aus symphonie fantastique, Op. 14, H. Berlioz, E. Ormandy,
Sony 46329
RESENT Dance Massive 95 Lutricia McNeal: Aint that just the way
Salome, R. Strauss, EMI 7243 5670802 Ofra Harnoy, Vivaldi Convertos for
Cello, RCA Victor 87774
OVER Hedkandi: Disco Kandi 2 Grace Jones: La vie en rose Don Giovanni,
W. A. Mozart, Deutsche Grammophon 431 289-2 Symphonie No 6 Pastorale L.
V. Beethoven, K. Tennstedt, EMI 7638912
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