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SUZANNA VOCK
INTERVIEW AM 7. MAI. 2002, ZÜRICH
MIT CMB
Vertrauensmissbrauch finde ich
das Schlimmste.
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Bild:
Roger Doëlly, 24news.ch
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Was hat dich zum ersten mal in Deinem Leben richtig
tief ins Herz getroffen?
Es sind zwei Erlebnisse, einmal der Tod meiner Mutter
vor fünf Jahren und die Trennung von meinem Freund vor einem
Jahr. Meine Mutter starb an Krebs und ich konnte nicht verstehen,
warum sie so leiden musste. Ihr Schmerz hat mir sehr wehgetan.
Es war auch der schlimmste Schmerz in meinem Leben.
Wie bist Du mit Ihrem Tod umgegangen? Wie konntest
Du diesen Schmerz verarbeiten?
Kurz nach Ihrem Tod habe ich eine Therapie gemacht.
Das hat fürs Erste geholfen. Dann startete ich eine "Eigentherapie".
Der Tod meiner Mutter war der Auslöser dafür, dass ich
anfing mich mit meinem Leben, meinen Schmerzen meinen Träumen
und Wünschen zum ersten mal ehrlich zu konfrontieren. Was
will ich wirklich? Wie kann ich mir meine Träume erfüllen?
Wie meinem eigenen Frieden finden? Vorher habe ich mir viel vorgemacht,
vieles verdrängt. Ich habe begriffen, dass ich nichts verlieren
kann, wenn ich ehrlich zu mir bin. Diese Konfrontation, dieser
Appell an mein Hirn und an mein Herz war aber sehr schmerzhaft.
Wenn ich es nicht mehr ausgehalten habe, ging ich auf Reisen. Vor
kurzem war ich in Indien.
Konfrontierst Du auch andere Menschen mit Deinem
Schmerz, Deiner Traurigkeit und mit Deiner Wut?
Wenn es mir beschissen geht, sollen das die Leute
wissen. Als meine Mutter gestorben ist, habe ich das jedem erzählt.
Ich fordere dann von meinem Umfeld einen anderen Umgang mit mir
ein.
Wie geht Dein Team damit um? Wirkt sich das auf
die Zusammenarbeit aus?
Mein Lebensziel ist es, mich mit Menschen zu umgeben,
die mich so schätzen und respektieren wie ich bin und die
mich aushalten können, die ich auch mit meinen Emotionen konfrontieren
kann. Im Team sind meine Freunde. Ich muss meinen Mitarbeitern
nahe sein können, sonst würde ich die Lust an der Arbeit
und am Leben verlieren. Ich bin eher eine rebellische Person und
ich möchte Menschen um mich haben, die sich frei fühlen
und ihre Emotionen auch ausleben. Dadurch können natürlich
Reibungen entstehen, die aber in unsere Arbeit einfließen
und interessante Entwicklungen forcieren.
Du hast ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut,
wie konntest Du Dich immer wieder zum "Weitermachen" motivieren?
Ich musste sehr viele Kompromisse eingehen. Und es
brauchte immer wieder klare Entscheidungen und mein ganzes Herzblut
und wenn man solange kein Geld mit seiner Arbeit verdient, geht
einem die Motivation abhanden. Wenn ich dann ausgeblutet war, verreiste
ich an Orte, wo ich von Mode nichts mitbekam.
Wie geht es Dir jetzt?
Es geht mir nicht gut, aber auch nicht schlecht.
Ich habe viele Visionen und ich spüre eine große Veränderung
in meinem Leben. Es ist eine interessante, aber auch sehr schwierige
Situation.
Bist Du verliebt?
Ja ich bin frisch verliebt! Aber ich gehe es langsam
an. Ich kommuniziere viel und spreche offen mit ihm über meine
Gefühle. Als ich vor einem Jahr verlassen wurde, war das für
mich eine unfassbare Angelegenheit, bis ich begriff, dass wir viel
zuwenig miteinander geredet haben und uns deshalb nicht mehr nahe
waren. Ich würde es heute nie mehr soweit kommen lassen. Deshalb
ist mir das Kommunizieren so wichtig geworden.
Wovor hast Du am meisten Angst?
Wenn jemand nicht ehrlich zu mir ist, wenn man mir
etwas vormacht und es dadurch zu einer Eskalation kommt. Dass mein
Vertrauen und meine Ehrlichkeit ausgenutzt werden. Vertrauensmissbrauch
finde ich das Schlimmste.
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