Schmerz als
komplexes Phänomen
Was ist Schmerz?
Die internationale Vereinigung zum Studium des Schmerzes (IASP)
hat sich auf eine Arbeitsdefinition geeinigt, welche die klinisch
wichtigsten Punkte des Phänomens Schmerz zusammenfasst.
„Pain is an unpleasant sensory and emotional experience associated
with actual or potential tissue damage, or described in terms of
such a damage.“
Dieser Arbeitsdefinition wird zusätzlich angefügt, daß
der Schmerz immer subjektiv ist
der Schmerz eine Sinnes und Gefühlserfahrung ist
eine zu enge Verknüpfung des Schmerzbegriffs mit körperlich-peripheren
Schädigungen zu vermeiden ist, um so auch psychogene und andere
Schmerzformen zu erfassen.
Aus dieser Definition geht hervor, dass sowohl die Nozirezeptoren
als auch deren Auswirkungen auf auf Interaktion und soziale Umgebung
wichtige Aspekte des Phänomens Schmerz sind. [...] Dies zeigt
sich in Situationen, in denen trotz ausgiebiger Gewebsschädigung
Schmerz nicht wahrgenommen oder wo ohne körperliche Schädigung
ein intensiver Schmerz (beispielsweise beim Verlust naher Angehöriger)
empfunden wird.
Bedeutung von Schmerzerfahrung
Jede schmerzhafte periphäre Empfindung bewirkt einen bedingten
Reflex, der beispielsweise im Wegziehen der Hand, die man sich verbrannt
hat, bestehen kann. Dazu hat jede Schmerzantwort neben dem autoprotektiven
auch einen regressiven und interpersonalen
Aspekt.
Erleidet jemand Schmerz wird er natürlicherweise getröstet.
Auch entwicklungspsychologisch kommt dem Schmerz eine wichtige Bedeutung
zu. Durch Schmerz werden Abgrenzungen erfahren, Bedürfnisse
frustriert und – vor allem auf der Haut – die eigene
Identität erlebt, aufgebaut und abgegrenzt. Zudem erfährt
das Kind, dass ihm via Schmerz auch Strafe widerfährt, was
der Symbolik des Schmerzes die Tür öffnet. IM späteren
Leben kann der erwachsene Mensch auch differenzieren lernen, wie
durch zufügen von Schmerzen Macht ausgeübt, aber auch
Lustempfinden bewirkt werden kann.
Schmerzkomponenten
Beim akuten Schmerz stehen meist die somatischen Läsionen im
Vordergrund. Beim chronischen Schmerz hingegen sind es mehrheitlich
psychosoziale Einflüsse, die wichtig werden. Man spricht dann
auch oft von der sog. Schmerzkrankheit. Der Schmerz ist also ein
komplexes Phänomen, das sämtliche somatopsychosoziale
Dimensionen umfasst.
Zum Schmerz gehören folgende Komponenten:
Die sensorisch – diskriminative Komponente
mit Informationen über Zeit, Ort, Dauer und Stärke der
Schmerzen.
Die emotionale Komponente: Schmerz ist (meist)
unangenehm und „tut weh“.
Die kognitiv – bewertende Komponente: Vergleich
mit Erfahrungen bei der Empfindung von Schmerzen.
Die motorisch – reflektorische Komponente:
Fluchtreflexe, Mimik (nonverbale Komponente), Vokalisation (verbale
und para-verbale Komponente).
Die vegetative Komponente: Sympathikotonus, Schlafstörungen,
Inappetenz.
Quelle: Buddeberg, Claus/ Willi, Jürg (Hg.): Psychosoziale
Medizin. 2. vollst. überarb. Aufl., Springer Verlag, 1998,
Kapitel 8.6.
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