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Trennung und Auflösung einer Beziehung

Auszug aus einer Veröffentlichung von Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff (Psychologie)

Im folgenden soll der Prozess der Auflösung einer romantischen Beziehung beschrieben werden, wobei sich die Darstellung an den Befragtenergebnissen von Personen, die ein Trennung hinter sich hatten, orientiert. (..) Die Trennung ist im Allgemeinen – insbesondere bei Beziehungen, die über Jahre bestanden haben – durch längerfristige Vorbereitung der Person, die sich trennen will, gekennzeichnet. Vielfach findet diese Vorbereitung im Geheimen statt. Das gilt insbesondere dann, wenn sich eine neue Beziehung anbahnt. Daher bemüht sich die wegstrebende Person vielfach in der letzten Phase der Beziehung, das Bild einer intakten Beziehung zu vermitteln, die mit der Vergangenheit übereinstimmt. Dahinter wird eine neue soziale Identität, unabhängig von ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin, vermittelt.
Häufig ist der Prozess der Loslösung anfangs unbeabsichtigt, da die Person, die die Beziehung löst, aus einer momentanen Unzufriedenheit heraus eine Selbstbestätigung außerhalb der Beziehung sucht. Die Folgen (..) sind aber eine noch tiefere Trennung zwischen den Partnern, die durch die Geheimhaltung noch verstärkt wird.
Diese Entwicklung führt dazu, daß sich die Person, die sich trennen will, zunehmend mit den Schwächen der Beziehung befasst. (..) Diese Umdefinition des Partners /der Partnerin in negativen Begriffen verschafft der sich trennenden Person die Motivation, die Bemühungen um eine Trennung zu intensivieren. Wieso sollt man oder frau an einer Beziehung festhalten, die im wesentlichen durch Fehler und Versagen gekennzeichnet zu sein scheint?
Häufig wird die ganze Beziehungsgeschichte umgeschrieben, so daß sie mit einer Trennung konsistent wird. Das bedeutet, dass die Beziehung als von Anfang an unbefriedigend beurteilt wird. Die wegstrebende Person fragt sich typischerweise, ob sie den Partner, von dem sie sich trennen will, jemals geliebt hat. (..) die Funktion dieser Abwertung besteht nicht zuletzt darin, eine Rechtfertigung für die Trennung zu schaffen.
Solange noch nicht der letzte Schritt der Trennung getan ist, sieht sich die trennungswillige Person gezwungen, an der alten Beziehung teilzunehmen, obwohl ihre Einstellung dazu äußerst kritisch ist. Diese Zwangslage erzeugt Wut, die häufig auf die Bereiche gemeinsamen Interesses ausstrahlt und die sich insbesondere in einer Abneigung gegen weitere sexuelle Beziehungen mit dem Partner niederschlägt, die aber vielfach noch bestehen, um die Intimität der Beziehung nicht frühzeitig zusammenbrechen zu lassen.
Aus der Sicht der trennungsbereiten Person geht es nur noch um die Frage, wie die Trennung vonstatten gehen kann, und nicht mehr darum, ob sie überhaupt in Frage kommt. (..)
Vielfach fühlt sich die trennungswillige Person auch einfach überfordert, offen mit dem Partner über die Trennung zu sprechen und vollzieht die Trennung mehr oder weniger kommentarlos, um den negativen Rückwirkungen – insbesondere den hilflosen Reaktionen des Partners – zu entgehen.
Nach der Trennung nimmt die Häufigkeit der Interaktion zwischen den früheren Partnern im allgemeinen ab, da beide bemüht sind, eigene Pläne zu verwirklichen und ihr eigenes Leben zu leben. Hinzu kommt, dass die auslösende Person vielfach auch keinen Zweifel an der Unumkehrbarkeit ihres Entschlusses aufkommen lassen will. Daher kann sie sich entschließen, wegzuziehen oder den Kontakt völlig abzubrechen.

Zitiert und zusammengefasst nach:
Bierhoff, Hans-Werner (1993). Trennung und Auflösung einer Beziehung. In: Auhagen, A.E & v. Salisch (Hrsg.), Zwischenmenschliche Beziehungen, (S. 187 – 192) Göttingen: Hogrefe

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