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Dpa, 18.2.2001
Kongress der Liebeskranken in Berlin
Berlin (dpa) - Wo Liebe ist, gibt es manchmal
auch Leid: Tausende kamen am Wochenende zum ersten "Kongress
der Liebeskranken" in das Berliner Theater "Volksbühne".
Unter den Besuchern waren auch der Schauspieler Mario Adorf,
die Moderatorin Lilo Wanders und die Vizepräsidentin des
Bundestags, Antje Vollmer - auch sie kennen wohl das Phänomen
des Liebeskummers.
Idee und Konzept der "LOVEPANGS" stammen von den österreichischen
Künstlerinnen Carmen Brucic (30) und Jeanette Müller (29).
Sie haben die liebeskranke Gesellschaft ausgerufen und die Liebesqualen
zum öffentlichen Thema erklärt.
Auf der Bühne bereichert der Theaterprovokateur Christoph Schlingensief
gemeinsam mit Autor und Filmemacher Alexander Kluge die neue Bewegung
der Liebeskranken mit einer Collage der heftigsten Arien der Operngeschichte.
Nirgendwo sei die Fieberkurve der Liebesqualen besser beschrieben, meint
Kluge. Von der rasenden Mordlust der Medea bis zum melancholisch-sanften
Gefühl an der Schwelle zum Vergessen. "Wir wollen lernen, warum
manche Leute in der Oper weinen können, und wir nicht", ruft
Schlingensief in eine bezaubernde Szene des Gefangenenchors aus Guiseppe
Verdis "Nabucco".
Im Foyer der Volksbühne gibt es eine Melange aus Kongress, Produktmesse
und angewandter Lebenshilfe. An der Rezeption können die Besucher
Gespräche mit einem der 120 Experten für Liebeskrankheit anbahnen.
An Tischen sitzen der Experte und der Herzschmerzkranke einander gegenüber
wie in einer Therapiesitzung.
"Oh ja, Liebeskummer habe ich reichlich durchgemacht", tröstet
der Intendant der Berliner Philharmoniker, Elmar Weingarten, einen unglücklich
Verliebten. "Ich höre Beethoven. Nichts gegen Schubert. Aber für
Zorn, Raserei, den Aufruhr gegen das vermeintliche Schicksal - dafür brauchst
Du Beethoven!" Klassische Musik in voller Lautstärke und dazu richtig
Rotz und Wasser heulen - der trauernde Gast sieht nach der Sitzung aus, als würde
er über die Verflossene hinwegkommen.
Mit wachsendem Zutrauen stürzt sich das überwiegend jugendliche
Publikum, das zunächst nur ein Kunstspektakel erwartet hatte, in
die Beratungsgespräche. Eine Regisseurin entwirft Rachestrategien,
ein Biochemiker enthüllt den Hormoncocktail im Kopf und der Leiter
des Goethe-Instituts im isländischen Reykjavik versichert: "Es
sind die Elfen, die dir helfen."
Dicht umlagert ist "Wa(h)re Liebe"-Moderatorin Lilo Wanders,
die zum "Weinen mit Wanders" eingeladen hatte. Trennungsschmerz
sei keine Schande, sondern eine existenzielle Erfahrung, meint sie. Was
sollen all die Stereotypen desGlücklichseins, wenn im Herzen Leere
ist?
"LOVEPANGS" dient auch der Einführung neuer Produkte, die
auf die einzelnen Phasen der Krankheit abgestimmt sind. Allerhand Tees, Suppen
und Biersorten sollen reinigen, entgiften und das "Feuer aus der Tiefe der
Seele" mobilisieren.
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