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ERSCHIENEN IM BRÜCKENBAUER 24/2002

Liebe - Leid - Lovepangs!

Seit es die Liebe gibt - gibt es  den Liebesschmerz. Wie man damit auch umgehen kann zeigt sich im Lovepangs-Interview mit den LP-Initiantinnen Jeanette Müller und Carmen Brucic.

BB: Worin bestand Deine Motivation fürs Projekt Lovepangs?

Jeanette Müller: Ich wollte und will in einer Welt leben, in der Menschen achtsam und ehrlich miteinander umgehen, in einer Welt, in der es keine Schande ist, manchmal schwach und traurig zu sein.
Carmen Brucic: Ich wollte nicht nur davon träumen, in einer besseren Gesellschaft zu leben; sondern anfangen, meine Träume zu verwirklichen...

BB: Hat sich seit der Startphase etwas in Deinen Lovepangs-Ansichten geändert?
JM: Für mich war zu Beginn der "klassische Liebeskummer" - also der Schmerz, der durch Lieblosigkeit oder das Verlassenwerden innerhalb einer hetero- oder homosexuellen Liebesbeziehung entsteht - nicht relevant. Ich kannte ihn nicht. Für mich war "Lovepangs" viel mehr der Schmerz der drückt, wenn man nicht lieben und leben darf, wie man möchte, wenn die eigene Gefühlswelt und Phantasie nicht kompatibel ist, zu der Familie und Gesellschaft, in der man lebt. Inzwischen ist mir der "Liebesbeziehungs-Liebeskummer" leider auch nicht mehr fremd. Es kamen viele neue Sichtweiten dazu.
CB: Ich konnte jetzt im Laufe der Zeit einiges über das Thema erfahren, das hat meinen Umgang mit meinem eigenen Schmerz ein bisschen einfacher gemacht. Ich habe heute endlich verstanden, dass es allen Menschen so geht und das es zum Leben dazu gehört. Heute kann ich besser damit umgehen, dass der Schmerz zum Leben dazu gehört und dass er kommt und geht.  

BB: Erlebst Du unterschiedliche Denkweisen in *Deutschland und in der Schweiz?
JM: Kaum. Psychischen, seelischen Schmerz kennen alle. Es fällt den meisten Menschen, unabhängig davon, in welchem Land sie leben, oft schwer, ihre Ängste und Verletzungen zuzulassen. Dennoch besteht eine große Sehnsucht danach, sich nicht schlecht fühlen zu müssen, mit all den "Mankos" die man/frau hat, und sich darüber auch austauschen zu können, anderen nah sein zu dürfen - auch wenn man eben nicht nur toll und stark und gut und perfekt ist. Wir möchten mit der ULSS (sollte im Kasten erklärt werden) und den Aktivitäten von Lovepangs(tm) Möglichkeiten der Kommunikation und Veränderung des Umgangs miteinander schaffen.
CB: Wenn es um Liebesschmerz geht und ein Mensch erzählt von sich, wie er es empfindet oder wie verletzt er ist, dann ist der einzige Unterschied der Dialekt in dem er sich ausdrückt. Sonst nichts.
Unsere Arbeit ist es, Plätze und Plattformen zu initiieren. Wie wir das machen und umsetzen ist von Stadt zu Stadt verschieden. Jede Stadt oder jeder Ort hat seine eigenen "Schmerzansichten".

BB: Erzählst Du uns eine Begebenheit innerhalb Deiner Lovepangsarbeit, die Dir besonders wichtig war?
JM: Auf dem Kongress in Berlin war eine unheimlich schöne Stimmung - es hat alles zugleich Platz gehabt: ernsthafte Gespräche, Tränen, Verzweiflung, Unverständnis, Streit - aber eben auch Leichtigkeit und Lachen und Flirten und Tanzen. Es hat mich sehr tief berührt, dass die Idee von Carmen und mir der Auslöser war, dass so ein Abend, solche Nächte Wirklichkeit wurden
CB: Der Kongress in Berlin, war am Anfang ein Experiment, keiner wusste, ob das die Menschen annehmen würden. Aber es gab dann einen Moment, wo ich hörte wie die Luft von diesen ganzen Stimmen vibrierte, von diesen "Schmerz-Gesprächen" zusammengesetzt ergab das einen riesigen Klangkörper. Es hörte sich interessant an. Ich wollte mich am liebsten überall und bei jedem bedanken und ich konnte es anfangs nicht glauben und hatte durchgehend zittrige Knie vor lauter Aufregung. Ich war stolz auf uns.

BB: Wie nachhaltig sind die Lovepangs-Tipps gegen Liebesleid aus Eurer Erfahrung? (Irgendwann werdet Ihr ja zurück nach Oesterreich gehen. Was dann?)
JM: Alles was unter der "Marke" Lovepangs™ angeboten wird - sowohl die Produkte, Dienstleistungen und Veranstaltungen - soll dazu beitragen, dass sich Menschen mit Liebesschmerz nicht alleine und peinlich fühlen. Wir geben keine Tipps gegen Liebesschmerz, sondern iniziieren mit Lovepangs(tm) Möglichkeiten, der Liebe und dem Schmerz einen wichtigen persönlichen, wie auch gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status zukommen zu lassen. Dazu braucht es uns nur am Anfang - zum Anschubsen - vor Ort, denn wir sind ja glücklicherweise nicht die einzigen, die so denken und fühlen.
CB: Das was die ULSS - Lovepangs™ anbieten kann, soll dazu beitragen, dass sich Menschen im Liebesschmerz gestärkt fühlen. Dazu werden die verschiedene Konzepte entwickelt und umgesetzt. Wir geben nur den ersten Anstoß. Zum Beispiel auf unserer Internetplattform im Forum hatten sich Leute getroffen und sich sehr interessante Beiträge geschrieben, haben kritisiert oder Tipps gegeben und konnten sich sogar manchmal helfen. Es enstand ein feines Netzwerk.

Interview: Eve Pfeiffer