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Schauspiel Frankfurt Pilgerstätte für Liebeskranke (suedkurier.de )

Frankfurt/Main (dpa) - In eine Pilgerstätte für Liebeskranke, Enttäuschte und Verlassene hat sich am Wochenende das Frankfurter Schauspiel verwandelt. Beim Liebesschmerz-Kongress «Lovepangs» tauschten sich die Besucher in Einzelgesprächen mit selbst ernannten Schmerzexperten über ihr Leid aus. Michel Friedman und seine Freundin Bärbel Schäfer hatten kurzfristig abgesagt. Carmen Brucic, eine Mitarbeiterin von Skandal-Regisseur Christoph Schlingensief, hatte den Kongress in der «Schmerzkapitale» Frankfurt organisiert.
«Ein Gespräch wird zur Installation», sagte Brucic, die einen ähnlichen Kongress vor zwei Jahren an der Volksbühne in Berlin organisiert hatte. Schlingensief sah die Gespräche als eine Art «sozialer Plastik». Eine Besucherin sah es weniger künstlerisch: «Ich glaube, hier sind viele hingekommen, um sich therapieren zu lassen, den Weg zum Therapeuten aber scheuen.»
Abgeschirmt von Hostessen saßen die Schmerzexperten, darunter die Politikerin Antje Vollmer, der Schauspieler Sepp Bierbichler und TV-Moderator Roberto Cappelluti mit ihren «Patienten» an schwarzen Holztischen. 20 Minuten hatten sie Zeit, dann forderte eine Stimme aus den Lautsprechern die Beteiligten auf, die Gespräche zu beenden.
An einer Schmerzbörse «Lovepangs Pain Exchange» handelten Makler die vier Leidensstufen Pain (Schmerz), Rage (Hass, Wut), Resent (Ärger) und Over (Überwindung). Auf einer kleinen Bühne schlüpften die Besucher in die Rolle berühmter Vorbilder wie Faust und Hamlet. Und in den «Schmerzfilialen» konnten die Liebeskranken «Schmerzdollar» verdienen. Wer sich zu seinen Gefühlen bekannte - ein Lügendetektor gab Aufschluss - wurde belohnt.